Friday, 5. August 2011
Eine neue Rolle für die israelischen Araber ,von Von Khaled Abu Toameh

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Eine neue Rolle für die israelischen Araber
Von Khaled Abu Toameh

Israelische Araber können eine Rolle im festgefahrenen Friedensprozess zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde spielen.

Unglücklicherweise haben israelische Regierungen es versäumt, den arabischen Staatsbürgern eine Chance zu geben, einen positiven Beitrag zum Friedensprozess zu leisten. Dies hat radikalen Gruppierungen wie dem nördlichen Flügel der „Islamischen Bewegung“ die Möglichkeit gegeben, Macht über die frustrierten israelischen Araber zu erlangen.

Der beste Weg, die Radikalen auszuschalten, ist es, den arabischen Staatsbürgern bessere Unterstützung und bessere Jobs anzubieten und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie Teil des Staates sind. Wenn Israel die Radikalen ausschalten möchte, wäre es gut beraten, diejenigen loyalen Staatsbürger zu integrieren, die um Integration und nicht um Ausgrenzung kämpfen.

Es gibt viele loyale arabische Staatsbürger (und Israel weiß, wer loyal ist und wer nicht), die eine positive Rolle bei der Unterstützung Israels spielen könnten und dies auch gern tun würden.

Wenn Israel nicht beginnt, mit diesen loyalen Staatsbürgern zusammenzuarbeiten, werden die antiisraelischen Radikalen nur stärker werden – eine Situation, die den Weg für den Westen bereiten würde, sich in die inneren Angelegenheiten des Staates einzumischen. Und was die Gegner Israels sich am meisten wünschen, ist ein Vorwand dafür, sich in innerisraelische Angelegenheiten einzumischen.

Die überwältigende Mehrheit der israelischen Araber sind Israel gegenüber nach wie vor loyal und sehen ihre Zukunft in dem jüdischen Staat und nirgendwo sonst.

Israels arabische Staatsbürger kämpfen um Integration, nicht um Teilung. Sie verlangen Gleichheit, besonders wenn es um Beschäftigung, öffentliche Gelder und Infrastruktur geht.

Israelische Araber würden gern einen palästinensischen Staat an der Seite Israels sehen, doch die meisten, wenn nicht alle von ihnen, würden nicht dorthin ziehen wollen. Aus zwei Gründen würden sie in Israel bleiben wollen: erstens, weil sie sich dort trotz aller Schwierigkeiten, denen sie als Minderheit gegenüberstehen, wohl fühlen und zweitens, weil sie dort immer gelebt haben und dies ihr Zuhause ist.

Niemand könnte eine bessere Rolle in den vielen Verhandlungen spielen als die 1,5 Millionen arabischen Staatsbürger Israels, die Juden wie auch Araber sehr gut kennen.

So könnte man sich beispielweise auch vorstellen, dass Israel die Hilfe von Anführern der arabischen Minderheit annehmen würde, um einen Deal zu auszuhandeln, der, im Austausch gegen palästinische Gefangene, zur Freilassung des Soldaten Gilad Shalit führen würde.

Israelische Araber könnten hier möglicherweise erfolgreicher sein als deutsche, türkische oder ägyptische Mediatoren. Warum sollte man nicht moderate Anführer der „Islamischen Bewegung“ in Israel fragen, ob sie in den Gaza-Streifen reisen würden, um mit der Hamas über die Befreiung des israelischen Soldaten zu verhandeln, der seit fünf Jahren gefangen gehalten wird?

Warum sollte man nicht arabisch-israelische Vertreter in einige der arabischen Länder entsenden, um über die Perspektiven für Frieden im Nahen Osten zu sprechen? Diese Vertreter könnten das bestimmt besser als jeder andere, weil sie mit der Mentalität, Kultur und Politik der arabischen Welt vertraut sind.

Doch nicht nur Israel sollte dafür verantwortlich gemacht werden, dass die bedeutende Rolle, die die arabischen Staatsbürger spielen könnten, ignoriert wird.

Die Köpfe der arabischen Minderheit in Israel tragen ebenfalls die Verantwortung dafür, dass sie den Graben zwischen Juden und Arabern in diesem Land vergrößert haben. Die glühende anti-israelische Rhetorik einiger arabischer Knesset-Mitglieder hat den Interessen der arabischen Staatsbürger in Israel nur großen Schaden zugefügt.

Wegen dieser Worte und Taten einiger arabischer Knesset-Mitglieder betrachten heute viele Juden israelische Araber als „fünfte Kolonne“ oder „inneren Feind“.

Ein arabisches Knesset-Mitglied, dass sich beeilt an einer „Flottille“ von Schiffen in Richtung Gaza-Streifen teilzunehmen, ist einer der Gründe dafür, dass viele Juden vor ihren arabischen Mitbürgern Angst haben und ihnen noch nicht einmal Jobs anbieten wollen.

Es ist an der Zeit, dass die israelisch-arabische Minderheit realisiert, dass viele ihrer Vertreter in der Knesset den Interessen der arabischen Staatsbürger großen Schaden zufügt. Arabische Wähler sollten dies im Kopf behalten, wenn sie das nächste Mal an der Wahlurne stehen.

Israels arabische Staatsbürger könnten (und sollten) als Brücke zwischen ihren jüdischen Mitbürgern und den Palästinensern im besonderen und der arabischen Welt im allgemeinen fungieren.

(Hudson New York, 27.08.11)

Der Autor ist Jerusalemer Journalist und schreibt hauptsächlich für die Jerusalem Post.

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